Monday Monday - Friede in Hawaii

Montag früh, 9 Uhr. Wir haben einen dicken Montagmorgen-Stau auf der Autobahn nach Honolulu hinter uns - "Wie nennt man das?" frage ich John, weil mir das Wort für Stau nicht einfällt. "A mess," sagt er. Freundlicherweise nimmt er uns und vor allem unsere Koffer mit nach Waikiki. Dort wollen wir Madame und ihre Leihwagen suchen.
Es ist nicht eben leicht, sie zu finden, diese Touristikbüros. Sie haben alle Namen, hinter denen man ein Hochhaus vermutet. Aber, so gigantisch diese Etablissements auch heißen mögen, so klein sind ihre Büros. Aus Kostengründen haben sie sich in Hinterzimmern versteckt, am Ende ewig langer, menschenleerer Flure in den Niederungen von 1000-Zimmer-Hotels. Irgendwann findet man sie, vorausgesetzt, man liest gern Schilder. Denn zum Fragen ist ja niemand da.
Die Touristen schlafen noch. Keiner belästigt die Geschäftswelt, deren Herz um diese Zeit noch im Schontakt schlägt. Man kann friedvoll Ablage machen, einen Kaffee kochen, ein bißchen schwätzeln mit der lieben Frau Kollegin, sich hehre Ziele setzen für heute, wohl wissend, daß der Alltag sie wegschwemmen wird wie immer - Friede in Hawaii.
Die Tür mit dem Schild "Galaxy Tours" - es kann auch anders geheissen haben - steht offen. Freier Blick in ein leeres Büro mit einer weiteren offenen Tür. Dahinter ist wohl wer, den Geräuschen nach, denn irgendwas pütschert so vor sich hin.
Klopf, klopf, hello! - es dauert ein bißchen, dann raschelt Papier, knarrend dreht sich ein Stuhl.
Hello-o-o! - Ein Kaffepott landet unsanft auf einem Schreibtisch, Schritte, Räuspern, ein vorsichtiger Blick, große, erschreckte Augen...
Hallo, wir sind's nur, keine Räuber, wir sehen auch nicht so aus, wir kommen nur zur Unzeit, die Tür war offen... Ist Madame da?
Ein kleiner, sanfter Mann schaut uns ganz erleichtert an, daß wir nicht ihm ans Leder wollen, sondern nur zu Madame. Nein, sie ist noch nicht da, leider, sie müßte aber - und just in diesem Moment, wie im Film, klingelt das Telefon.
"Yes, darling," sagt Joseph, und "no, darling", und am anderen Ende erzählte eine etwas fusselige Madame die ganze lange Geschichte von zwei Deutschen, die am Samstagnachmittag angekommen waren und kein Hotel gebucht hatten und auch keinen Leihwagen und jetzt einen bräuchten und die nachher vorbeikommen würden und - "Yes, darling," sagt Joseph und legt ganz sanft auf.
Hinten im Schrank steht ein Pappkarton. Aus diesem kramt Joseph einen Packen alter Formulare hervor, sucht sich eines aus, spannt es in seine Schreibmaschine ein und tippt, in schönster geschwungener englischer Künstlerschreibschrift "Voucher" obendrüber. Dann tippt er noch ein paar Worte, denkt nach und lächelt uns schliesslich an. "Damit gehen Sie dann," sagt Joseph, indem er sanft den Voucher aus der Schreibmaschine dreht, "in Maui an den Schalter der Leihwagenfirma."
Vorerst aber geht es ans Bezahlen. Ich zücke weltmännisch meine Kreditkarte, und Joseph zuckt ein wenig zusammen: Gott, wie peinlich, dieses Thema... aber er könne leider nur Bargeld annehmen.
Nun widerspricht das allem, was man je so gehört und gelesen hat über das Land, in dem das Plastikgeld erfunden wurde, aber Joseph bleibt fest: cash.
Woher nehmen? Die First Hawaiian hat eine Filiale schräg gegenüber. Ich gehe also Bargeld kaufen, einen ganzen dicken Briefumschlag voll, und bringe ihn zurück zu Joseph. Er zählt mit spitzen Fingern nach, als seien Dollars klebrig, und schreibt sanft seinen Namen auf den Voucher, als Quittung. Das wär's dann also, nicht?
Da stehe ich nun, den Voucher in der Hand, mit einem seltsamen Gefühl im Magen. Er hat unsere guten Dollars in der Tasche, und ich einen sanften, selbstgemachten Schrieb. Einen Wautscher! Ob das wohl alles so richtig ist? Na, ich weiß ja nicht...



